Der Mekkah-Tower ist einer der erstaunlichsten Wolkenkratzer der Welt. Nicht nur seine enormen Ausmaße von 601 Metern Höhe, die ihn zu eines der größten Hochhäuser der Welt macht, sondern auch sein außergewöhnlicher Standort direkt neben der Kaaba in Mekkah zeichnen dieses Gebäude mit Symbolkraft aus.
Nur Symbol wofür? Diese entscheidende Frage stellt sich dem Betrachter, der sich die Gesamtszenerie vor Augen führt.
Die Kaaba ist laut den Überlieferungen die älteste Moschee der Welt. Sie wurde zunächst vom Propheten Adam als erstes Gotteshaus der Welt überhaupt errichtet und nach ihrer Zerstörung erneut vom Propheten Abraham und seinem Sohn Ismail aufgebaut. Sie ist die zentrale Moschee der Welt und Gebetsrichtung für alle Muslime. Sie ist Symbol für Glauben, Spiritualität und Hinwendung zu Gott, doch nun steht dieses riesige Gebäude direkt daneben – protzig, fett und extrem unpassend. Warum? Wer hat es gebaut, und zu welchem Zweck wurde es errichtet?
Gebaut wurde es von Fairmont, einer Firma aus Kanada, die weltweit Luxushotels betreibt und errichtet. Wodurch sich bereits der Zweck erschließt: Luxus. Dieses Hotel ist eine reine Luxusanlage, die reichen Pilgern, die nach Mekkah reisen, Zimmer bietet. Darüber hinaus befindet sich eine ausgedehnte Shoppingmall in jenem Gebäudekomplex. Vertretene Geschäfte sind neben einigen Lokal-Restaurants die üblichen Verdächtigen: McDonald’s, Kentucky Fried Chicken, Starbucks und andere Einrichtungen imperialistischer Prägung. Und nicht zu vergessen massive Unterstützer des zionistischen Regimes und damit auch ihrer Verbrechen.
Dieses Gebäude kann als Symbol für Weltlichkeit, Anmaßung, Verschwendungssucht, Arroganz, Oberflächlichkeit und Übertreibung gelesen werden. Die Tatsache, dass es die Kaaba und die gesamte Harâm-Moschee bei Weitem überragt und in den Schatten stellt, ist pure Absicht und eine Beleidigung an sich. In vielen Ländern der Welt wurde stets darauf geachtet, dass Gebäude bestimmter Symbolik auch eine für die jeweilige Zivilisation angemessene Größe im Verhältnis zu anderen Gebäuden hatten. Je größer, höher und prächtiger ein Gebäude war, desto mehr Ehre und Wert wurde ihm sowie dem zugrunde liegenden Gedanken seiner Funktion zugemessen.
So wurden zum Beispiel in einigen Burgen des Mittelalters Kapellen derart ausgelagert, dass kein Stockwerk über der Kapelle war, damit kein Raum symbolisch und faktisch über der Religion stand. Ebenfalls durfte der Reichstag zur Kaiserzeit nicht höher als 75 Meter gebaut werden – aufgrund der Machtsymbolik, die hiervon ausging im Verhältnis zu monarchischen Gebäuden.
Diese Eigenarten finden sich überall auf der Welt, und sie ziehen sich durch alle Kulturen. Eben deshalb ist es eine besonders deutliche Aussage, die die Tatsache dieses Baus erhebt. Wer erklärt hier seinen Herrschaftsanspruch über die Religion. Dies ist keine symbolische Aussage, sondern gelebte Praxis – sehr zum Leidwesen der Muslime, die in die heiligen Stätten pilgern.
Für die Errichtung der Luxusgebäude und Shoppingmalls mussten nicht selten historische Stätten, die zum Teil auf den Propheten und seine Gefährten selbst zurückreichten, zerstört werden. Es fand und findet immer noch ein kulturelle Vernichten sondergleichen statt – und dies mit dem Vorwand, dem Götzendienst Einhalt zu gebieten. Dabei wird all das zumeist getan, um noch mehr Geld in die Taschen der Besitzer zu spülen. So thront nun McDonald’s dort, wo einst die Spuren der Gefährten zu finden waren. Doch kein Aufschrei geht durch die Medien der muslimischen Welt; niemand von Rang und Namen – außer einigen rechtschaffenen alten Gelehrten ohne Reichweite– gebietet dem Wüten die Stirn.
Ist somit dieses Riesengebäude vielmehr auch ein Ausdruck der Degeneriertheit der muslimischen Gemeinschaft an sich? Es zeigt doch genau das, was viele Muslime in ihrem Alltag tun: Sie bevorzugen den Luxus vor der Spiritualität. Sie setzen in ihrer täglichen Praxis den Materialismus als Prinzip um und nicht ein Leben im Einklang mit den göttlichen Geboten. Gerechtigkeit unter Luxus. Wahrheit und korrektes Verhalten nach Gaumenschaus und Geld.
Die Gefährten des Propheten waren nicht so: Sie waren bescheiden – und wurden von Gott erhöht. Sie haben Luxus und Annehmlichkeiten für etwas Wichtigeres aufgegeben, weil sie erkannten, dass Anstrengung und Verzicht zu etwas Besserem führten als Übermaß und Verschwendung. So sagte der Gesandte Gottes sinngemäß: „Gebt acht auf den Überfluss und den Luxus, denn der Diener Gottes lebt dieses.“
Und in einem weiteren Hadith sinngemäß: "Wenn du siehst, dass die Berge von Mekkah durchlöchert werden und seine Gebäude so hoch wie die Berge dort sind, dann hat die Stunde den Schatten geworfen." (Clocktower wird - die Stunde genannt)
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