Es gibt unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt. Viele Menschen teilen die Welt gerne in -ismen. Man spricht von Kapitalismus, Kommunismus, Imperialismus usw., und es wird zu einem inneren Drängen des Menschen gemacht, sich einem dieser -ismen zugehörig zu fühlen. Sie kennen das Spiel von „Teile und herrsche“.
Doch eine andere Sichtweise ist eher den Mystikern eigen. -Ismen interessieren sie nicht. Sie sehen die Welt und die Menschen vom Ende her, betrachten ihr hiesiges Sein und Handeln als Ausdruck einer jenseitigen Existenzform – ja, nicht unbedingt als ein Hineinwachsen in den Seinszustand des Endes, sondern vielmehr als Vorboten, als Anzeiger dessen, was unweigerlich sein muss.
Tut ein Mensch also Gutes und verinnerlicht gute Charaktereigenschaften, so weist dies auf einen jenseitigen Zustand hin, der vom Paradies aus in die Welt zurückwirkt. Auch wenn die Kausalität umgekehrt verläuft, ist es eine zusammenhängende Kette, die der Mystiker in beide Richtungen betrachtet.
Die typische kausale Betrachtung wäre: gute Tat → Paradies.
Die mystische Gesamtschau wäre, Paradies – gute Tat – gutes Herz als ein zeitliches Ganzes zu sehen.
Ebenso auch: böse Tat – schwarzes Herz – Hölle.
Damit ergeben sich keine -ismen, sondern Völker: die Völker der Hölle und die Völker Edens. Aus dieser Sichtweise heraus ist die Welt bewohnt von Menschen unterschiedlicher Völker, ganz unabhängig von ihrer Biologie. Doch erst mit dem Tod und dem Ende dieser irdischen Hülle wird klar, zu wem man zählt.
Die Welt in ihrer Gesamtheit ist nur ein Sinnbild für anders gelagerte Wahrheiten, ein Ort der Manifestation, ein Schleier vor dem, was sich dahinter verbirgt. Ein sehr überzeugender Schleier, sodass nicht wenige ihn irgendwann für die Wahrheit selbst halten und gar nicht mehr nach dem Dahinter, nach einem Anderen oder nach einem jenseitigen Wesen fragen. So verhüllt sie sich vor uns, wie einige sagen, mit 70.000 Schleiern aus Licht und Finsternis. Und einer dieser Schleier ist das Grab.
Für die Menschen der körperlichen Verhüllung ist das Grab das Ende, ein Schrecken, und Grabstätten und Friedhöfe sind Orte des Grauens.
Doch für den, der sehen kann, ist es die Aufhebung der Trübnisse und das Hineingeben des Menschen in seine eigentliche Realität. Denn durch den Tod zeigt sich, ob er vom Volke Edens ist oder ob er zum Volk der Hölle gehören wird.
Wir sagen es mit den Worten der Poesie:
Am Tage meines Todes,
wenn meinen Sarg man trägt,
o glaube nicht, daß Gram mich
um diese Welt bewegt
Dem Grabe werde ich anvertraut
sag nicht: Leb wohl
Das Grab ist nur Schleier, nur Idol
vor Edens Volk gelegt, vor Edens Volk gebaut
Siehst du, wie sie mich senken,
so schau's als Aufstieg an!
Dem Erdreich sollst mich schenken
Gebrochen ist der Bann
Den Mund, den du hier schlossest,
dort öffnest ihn erneut,
und fern von Ruhm und Grenzen
ein Gnadenruf mich freut
Dem Grabe werde ich anvertraut
sag nicht: Leb wohl
Das Grab ist nur Schleier, nur Idol
vor Edens Volk gelegt, vor Edens Volk gebaut
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