Felsen aus denen Flüsse fließen

Veröffentlicht am 16. März 2026 um 12:48

Wenn Herzen hart werden und sich zu Steinen entwickeln, schließen sich die Möglichkeiten, dass Licht hineingeht oder hinauskommt. Doch was hat dieses Symbol mit dem Menschen zu tun?

Im Qurʾān wird die Geschichte der Wiederbelebung eines Menschen aus den Kindern Israels erzählt. Doch über die Zeugen dieser Tat wird in Vers 74 Folgendes gesagt:

ثُمَّ قَسَتْ قُلُوبُكُم مِّن بَعْدِ ذَٰلِكَ فَهِيَ كَالْحِجَارَةِ أَوْ أَشَدُّ قَسْوَةً

Nachdem dies geschah, wurden eure Herzen hart und dann wie Steine und dann wurden sie noch härter.

Der Vers weist auf eine tragische Entwicklung der geistigen und inneren Verfassung des Menschen hin. Selbst wenn Blitze aus jenseitigen Welten den Menschen treffen sollten – also ein äußerst besonderes, aufweckendes Ereignis erlebt wird – kann sich seine Seele im Nachgang dennoch negativ wandeln.

Der Mensch sollte ein weiches Herz haben, das bewegt werden kann, das erleben kann, das Licht hinein- und hinauslässt. Doch der Mensch ist ein erdgebundenes Wesen. Die Erde ist das Element, das ihn am stärksten prägt und den größten Anteil an seinem Wesen hat. So lange der Mensch auf der Welt wandelt wird sie ihn ihrer Natur gemäß zu etwas Erdhaftem verändern.

Lässt er sich in die Materie hineinziehen und hält keine konstante Anstrengung aufrecht, sein Inneres beweglich zu halten, durchläuft er die oben beschriebenen Phasen. Das Herz verhärtet sich langsam – nicht plötzlich. Schritt für Schritt versteinert es bis es sogar noch härter als ein Stein wird und endet schließlich in vollständiger Unbeweglichkeit.

Doch es gibt drei Möglichkeiten, wie dieses Herz dennoch in Bewegung geraten kann. Diese werden im Vers erwähnt und bilden die Entwicklung rückwärt ab:

وَإِنَّ مِنَ الْحِجَارَةِ لَمَا يَتَفَجَّرُ مِنْهُ الْأَنْهَارُ ۚ
وَإِنَّ مِنْهَا لَمَا يَشَّقَّقُ فَيَخْرُجُ مِنْهُ الْمَاءُ ۚ
وَإِنَّ مِنْهَا لَمَا يَهْبِطُ مِنْ خَشْيَةِ اللَّهِ ۗ

  1. Es gibt Felsen, aus denen Flüsse fließen.
  2. Es gibt Felsen, die aufreißen, sodass Wasser aus ihnen hervorkommt.
  3. Es gibt Felsen, die aus Ehrfurcht vor Gott herabsinken.

Das erste Herz ist ein Felsen, der als Quelle von Flüssen beschrieben wird. Dieses Herz ist zwar von Welt und Materie verfinstert, doch seine Natur ist aktiv und es ist von Feuchtigkeit durchdrungen. Es spendet Gutes und nährt seine Umgebung, auch wenn es noch nicht durch den Segen tieferer Mysterien verwandelt wurde.

Wir erinnern uns auch an das Symbol des Herzens im Lichtvers. Dort wird es als Glas beschrieben. Das Herz wird durch seine Umwandlung verändert, bis es zu einem leuchtend klaren Glas geworden ist. Doch was ist Glas? Es ist der reinste, durchsichtige Stein, dessen Natur zwar hart erscheint, der in Wahrheit aber ein äußerst langsames Fluid zwischen hart und weich ist.

Das Herz muss also erinnert und bearbeitet werden, bis es durch die Flüsse, die seinem Felsen entspringen, gereinigt wurde. Wasser ist das Symbol der Reinigung. Werden Mineralien und Steine lange genug durch Wasser geläutert, werden sie schließlich hell, klar und wie ein gesegnetes Glas.

Das Symbol des Felsens zeigt uns eine harte, brutale, realistische – ja sogar zynische – Sicht auf die Dinge. Wie kann sie verändert werden? Durch Taten des Wasserelements. Die Natur der Härte wird durch Milde, Barmherzigkeit und praktiziertes Mitgefühl verwandelt. Ohne Praxis keine Änderung!

Das zweite Herz kann sich nicht aus eigener Kraft reinigen, sondern benötigt einen starken äußeren Impuls. Dieser öffnet es und setzt den Prozess in Gang. Es bricht auf, Wasser fließt heraus, und der oben beschriebene Prozess beginnt. Wird der Wasserfluss stark genug, wandelt es sich schließlich zum ersten Herzen – und das Wasser wird zu fließenden Flüssen.

Das dritte Herz bleibt zunächst in seiner steinernen Natur. Doch durch Ehrfurcht vor Gott gerät es in Bewegung. Wird diese Bewegung stark genug, kann es schließlich aufbrechen. Der Aufprall muss nur intensiv genug sein, damit die Hülle bricht das Wasser hervorsprudeln kann – und so wird es zum zweiten Herzen.

Als Beispiel kann die Geschichte von ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb angeführt werden. Sechs Jahre nach Beginn der Offenbarung war er dem Islam gegenüber immer noch negativ eingestellt. Sein Herz war für seine Härte bekannt, und er galt als rauer, kräftiger Raufbold, der wegen seiner Stärke gefürchtet war.

Doch eines Tages hörte er im Haus seiner Schwester die ersten Verse der Sura Ṭā-Hā. Plötzlich ergriff ihn Ehrfurcht. Die Worte berührten etwas in ihm, und sein steinernes Herz geriet in Bewegung. Mit der festen Absicht, den Propheten zu töten und diesen „Spuk“, wie er es empfand, zu beenden, suchte er ihn auf. Doch dort wurde sein Stein aufgebrochen, die Hülle krachte auf und ʿUmar nahm den Islam ohne Widerstand an.

Langsam wurden die Wasser seines Herzens zu Flüssen, die in die Welt hinausströmten. Sein Herz reinigte sich vollständig und wurde zu hellem Glas. Die Lichter mehrten sich, bis sein Herz schließlich zu einem leuchtenden Stern wurde, der über alle Sahaba strahlte außer Abu Bakr.

Seine „Flüsse“ beeinflussten große Teile der Welt. Und er wurde zurecht zur Liste der 100 einflussreichsten Persönlichekiten der letzten 2000 Jahre hinzu gefügt. Sein Wirken prägte Räume von Indien bis Spanien und beeinflusste äußerst positive Entwicklungen über viele Jahrhunderte hinweg.

Doch zurück zum Herzen. Hier nochmals die Zusammenfassung wie seine Entwicklung in den Symbolen des Verses verläuft.

In die Materie hinein:

Verhärtung → Versteinerung → maximale Härte

Der Weg der Reinigung:

Bewegung des Steins → Aufbrechen der Hülle und erste Wasser → Wasser werden zu Flüssen → Reinigung → Erde wird zu klarem Glas → Das Glas wird zum leuchtenden Sternenglas

Aus der Dunkelheit der unbeweglichen Felsen hin zum gesegneten lichtvollen Glas - Licht über Licht

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